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Aktiv um langzeitarbeitslose Nichtwähler bemühen

Radikaler Vertrauensverlust in die etablierten Parteien und gesellschaftlichen Institutionen gehört für langzeitarbeitslose
Menschen zu den wichtigsten Gründen, nicht zur Wahl zu gehen. Dazu kommen einer
aktuellen Untersuchung  zufolge das Gefühl der Ausgrenzung, des Abgehängtseins
und massiver sozialer Ungerechtigkeit. Die Studie "Gib mir etwas, was ich wählen
kann" fragt nach den Motiven des Nichtwählens und  wurde von der Denkfabrik -
Forum für Menschen am Rande, dem Evangelischen Fachverband für Arbeit und
soziale Integration sowie der Initiative pro Arbeit initiiert.

"Es ist in höchstem Grade alarmierend, wenn sich wichtige Gruppen aus den
demokratischen Prozessen verabschieden", sagt Diakonie-Präsident Ulrich Lilie.
"Wer ständig das Gefühl hat, dass sich die Politik nicht für ihn und seine
Lebenswelt interessiert, fühlt sich  im Stich gelassen. Er verliert den Glauben
an den Sinn und die Regeln der Demokratie", sagt Lilie. Das Nicht-Wählen sei
eine Botschaft an die Gesellschaft, diese Menschen wahr- und auch ernst zu
nehmen.

"Wir müssen uns aktiv um diese Menschen bemühen. Dazu brauchen wir Politiker,
die das Gespräch mit den Menschen suchen, damit diese das Gefühl haben, dazu
zugehören und angehört zu werden", betont Lilie: "Das Feld dürfen wir nicht den
Radikalisierern und Vereinfachern überlassen, die gerade in unsere Parlamente
einrücken."

Für die Untersuchung wurden 66 Interviews mit langzeitarbeitslosen Nichtwählern
im ganzen Bundesgebiet geführt. Die Interviewer waren ehemals oder aktuelle
Langzeitarbeitslose. Auf Augenhöhe fiel es den Interviewten leichter, offen über
ihre Erfahrungen zu sprechen. Der Titel der Studie ist ein Zitat aus einem
Interview mit einem 50-jährigen Langzeitarbeitslosen: Als Nicht-Wähler hätte er
schon eine Meinung, es werde nur so ausgelegt. Er würde auch wählen, wenn es
tatsächlich etwas zu wählen gäbe.

Redaktion

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